Die Tiger des Südens

von Shamsudin Kirsch

Eine Revolution im malaysischen Fußball ist im vollen Gange. Und das Zentrum liegt in der südlichen Millionenmetropole Johor Bahru, genauer gesagt im Stadtteil Larkin. Dort sind die “Tiger des Südens” zu Hause, oder, wie der Verein offiziell heißt: Johor Darul Ta’zim, kurz Johor DT oder JDT genannt. Das Gesicht der „Revolution“ gehört dem Kronprinzen von Johor, Tunku Ismail Idris, von den Fans meist einfach TMJ genannt. Er ist es, der die Fäden in der Hand hält, den Verein unermüdlich vorantreibt und professionalisiert. Das Know-how für die Ausbildung des Nachwuchses jedoch kommt aus Deutschland, genauer gesagt von Borussia Dortmund.

Früher war Larkin in Malaysia bekannt als der Zentrale Fernbusbahnhof von Johor Bahru. Jetzt ist es Synonym für das Tan Sri Dato Haji Hassan Yunos Stadion. Der 1964 errichtete Bau fasst 30.000 Besucher, wurde 2014 renoviert und gilt heute als das Stadion mit der besten Stimmung in Malaysia, in dem die Fans mit ihrem berühmten Schlachtruf Johor Luaskan kuasamu (Johor erweitert deine Macht) ihre Harimau Selatan (Tiger des Südens) anfeuern. Seit Beginn des von den Fans zumeist als „Revolution“ bezeichneten Umbaus vor drei Jahren war das Stadion fast immer ausverkauft, erlebt nach all den Jahren endlich wieder glorreiche Tage. Ein Höhepunkt war 1997 die FIFA U-20 Weltmeisterschaft in Malaysia, wo Larkin einer der Austragungsorte war. Auch vielen japanischen Fußballfans ist Larkin in Erinnerung geblieben als der Ort, an dem Japan 1997 legendär den Iran mit 3:2 besiegte und somit den WM-Einzug nach Frankreich 1998 besiegelte.

Allerdings sind die Tage des Stadions als Heimstätte des Vereins gezählt: Schon bald soll ein neues futuristisches Stadion, das 40.000 bis 45.000 Plätze fassen soll, entstehen. Errichtet werden soll es auf einer aufgeschütteten Insel zwischen Johor Bahru und Singapur.

Die atemberaubende Entwicklung im regionalen Fußballgeschehen begann 2012, als der Kronprinz von Johor den Landesverband kaufte und die Präsidentschaft übernahm. Seine erste Amtshandlung: Die Teams der beiden Mannschaften von Johor FA und Johor FC wurden zusammengelegt und umbenannt in Johor DT (bzw. Johor DT II in der zweiten Liga). Mit dem Kronprinzen kam auch royales Geld in den Verein. Es wurde ein Fünfjahresplan entwickelt, ein Talentprogramm ins Leben gerufen, internationale Topspieler engagiert und ein neues modernes Trainingsgelände gebaut.

Daneben wurde auch ausländisches Know-how importiert: Im Sommer 2015 verkündete der Verband eine Partnerschaft mit Borussia Dortmund. Die Borussen schickten ihre Trainer Matthias Schwesig, Marc Oliver Stricker und Alex Kuschmann nach Johor, um der Jugendabteilung deutsches Fußballwissen zu vermitteln. Auf ihre Initiative hin wurde eine Schulkooperation ins Leben gerufen, ebenso eine U12 und eine U15 neben den bereits existierenden U19 und U21. Wünschenswert sei, so Matthias Schwesig, in jedem Jahrgang eine Mannschaft zu haben. Wie lange das dauert, ist noch nicht abzuschätzen; Nachwuchsarbeit sei auf Jahre und Jahrzehnte angelegt, so Schwesig. Die Kooperation zwischen dem BVB und den Tigern des Südens habe jedenfalls kein definiertes Endziel.

Mit seiner Profimannschaft hat der JDT jedenfalls schon einiges erreicht: Als malaysischer Meister qualifizierte er sich für den AFC Cup 2015, was vergleichbar mit der UEFA Europa League ist und gewann ihn auch prompt. Im Finale am 31. Oktober 2015 gegen die tatschikistanische Mannschaft Istiklol konnte der Argentinier Leandro Velazquez in der 23. Minute das einzige Tor des Spiels für Johor erzielen und bescherte den Tigern des Südens den größten Erfolg im malaysischen Vereinsfußball. So groß war die Freude in der Heimat, dass der darauf folgende Tag zum staatlichen Feiertag in Johor erklärt wurde! Ein weiteres Fußballfest und Großereignis war zuvor das Spiel im eigenen Stadion gegen den BVB im Juli 2015, das die Malaysier allerdings deutlich mit 1:6 verloren. Es wurde sogar im deutschen Fernsehen übertragen.

Das Fußballfieber hat mittlerweile ganz Johor erfasst: Das blau-rote Trikot mit dem Tigerwappen ist überall zu sehen, der Verein in aller Munde. Ein weiterer Beleg für die Ambitionen ist die Stärke des Kaders. Das zeigt sich auch daran, dass mittlerweile die malaysische Nationalmannschaft zum großen Teil aus JDT-Spielern besteht.

Der Kronprinz denkt indes schon weiter, wie er den Dortmunder Trainern verriet: Er träumt davon, einen Spieler auszubilden, der es in einen europäischen Verein schafft. Vielleicht sogar zum BVB.