Sabahs kulturelles Erbe

(Fortsetzung von „Trip nach Sabah„)

„Mari Mari“ ist ein „Heritage Village“ etwa 20 Autominuten von Kota Kinabalu entfernt. Mitten in den Urwald gebaut, aber trotzdem direkt an einer sich durch die Wildnis schlängelnden Straße gelegen, kann man auf einer geführten Tour die Lebensweisen der 5 größten Volksstämme Sabahs erkunden.

IMG_436380 Ringgit (etwa 20 Euro) muss der Besucher dafür löhnen, 150 sogar inklusive Transport von und nach KK – für malaysische Verhältnisse ist das extrem teuer. Dafür bekommt man neben einer kompetenten Führung diverse Kostproben von Speis und Trank, unterhaltsame und auch lehrreiche Vorführungen handwerklichen Schaffens und zum Abschluss eine sehens- und hörenswerte Musik- und Tanzdarbietung. Insgesamt dauert das Programm rund 2 Stunden.

Die Marketingexperten und Reiseagenten geben sich alle Mühe, die Illusion eines tatsächlich gewachsenen und bewohnten Dorfes zu vermitteln, aber schon sehr bald wird einem klar, dass es sich hierbei um eine Art Disneyland für anthropologisch interessierte Touristen handelt, was aber auch völlig ok ist. Man sollte halt nicht mit der Erwartungshaltung hingehen, tatsächlich wild lebende Völker zu besuchen, sonst ist man hinterher enttäuscht.

Gebaut wurde das Dorf 2008, errichtet wurden die Hütten mit viel Liebe zum Detail von Nachkommen der jeweiligen Volksstämme.

Izzah, eine der sehr engagierten Führerinnen in Mari Mari.
Izzah, eine der sehr engagierten Führerinnen in Mari Mari.

„In unserer Sprache heißt ‚Mari Mari‘ soviel wie ‚komm, komm’“, erklärt uns unsere Führerin Izzah, eine junge Frau vom Volksstamm der Murut. „Wir werden 5 verschiedene Stämme kennenlernen, darunter auch einen sehr aggressiven Stamm von Kopfjägern“, stimmt sie uns auf die kommenden Ereignisse ein. Bei dessen Besuch sollen wir ernst bleiben, nicht lachen und unsere Hände am Körper behalten, bläut sie uns ein.

Los geht es aber erst einmal mit den Dusun, dem größten Stamm Sabahs. Zwei junge Frauen sitzen in der Hütte in traditionellen Kleidern, und Izzah weiß zu berichten, dass Kleidung und Schmuck der Frauen verraten, ob ihre Trägerin verheiratet ist oder noch nicht. Und wie ist bei den Männern? „Man muss sie einfach fragen,“ schmunzelt Izzah.

Im Entenmarsch geht es danach zu den Hütten und teilweise auf Stelzen gebauten Holzhäusern der Rungus, Lundayeh, Bajau und Murut und lernt dabei, wie man Reiswein herstellt, Seile knüpft, Feuer entfacht oder mittels Blasrohr und vergiftetem Pfeil Tiere erlegt – letzteres natürlich nur an einer Art Zielscheibe veranschaulicht.
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IMG_4548Die Zeit verrinnt, und obwohl der Marsch durchs Dorf keine nennenswerten Herausforderungen darstellt, ist man am Ende doch einigermaßen erschöpft und genießt die Aufführung der Tänzer und Musiker, bevor den nun hungrig gewordenen Gästen ein abschließendes Mahl serviert wird. Schmeckt zwar sehr gut (Hähnchen mit Reis, frittierte Bananen, Früchte), aber leider beinhaltet es keine der traditionellen Speisen, die man zuvor während der Tour kennengelernt hat.

Wer das Dorf mit dem eigenen Auto besuchen möchte, sollte sich vorher auf der Internetseite schlau machen, wann die Führungen beginnen – oder aber die Wartezeit an dem nur 2 Minuten entfernten Wasserfall überbrücken, der ebenfalls einen Besuch Wert ist – einfach der Straße nach oben folgen bis an ihr Ende, man kann ihn gar nicht verfehlen.

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(Weiter: Relaxen im Beringgis)
 
(Korrektur: In der ersten Fassung hat sich ein Tippfehler bezüglich der Länge des Programms eingeschlichen. Es dauert nicht 3, sondern nur etwa 2 Stunden.)