Murals, Museen & Makan

© „A1 Dawn View“ von Goh PS - originally posted to Flickr as A1 Dawn View. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:A1_Dawn_View.jpg#/media/File:A1_Dawn_View.jpg

„Der mit dem Schiff von Europa kommende Reisende legt in Pulau Penang an, einem im Grün der Kokospalmen schlummernden Eiland“, so beschrieb der Anthropologe Paul Schebesta im Jahre 1928 seine ersten Eindrücke von der Insel Penang, und weiter: „Das Auge wird sofort gefangengenommen durch die tropisch frische Vegetation. Der Reisende hört hier vom Paradies der Erde reden, und voll Begierde, die Pracht der Insel kennenzulernen, steigt er ans Land und macht eine Rundfahrt durch das lieblichste aller Eilande. Noch lange, nachdem dann wieder das Schiff vom Lande abgestoßen ist, schaut er wie bezaubert nach der grünen Insel zurück.“

Die romantisierende Beschreibung trifft heute natürlich nur noch bedingt zu. An den Küsten gibt es zwar immer noch lauschige Plätze, Strände und Buchten, die sich den Zauber vergangener Tage erhalten haben. Das zu Schebestas Zeiten noch verschlafene Örtchen George Town jedoch ist längst zu einer geschäftigen Metropole herangewachsen, zur mit über 520.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Malaysias.

Das geheimnisvolle, exotische Asien ist dennoch lebendig geblieben: Man findet es in vor allem in den engen Gassen der Altstadt. Dort ist das Straßenbild geprägt von den Verkaufsständen der Straßenhändler, die ihre Waren anpreisen, von kleinen Handwerksbetrieben, in denen man das ein oder andere Schnäppchen machen kann und von unzähligen Garküchen, die exotische Düfte und Gerüche verströmen.

Gerade das Street Food ist es, das Penang zur Topadresse Malaysias für kulinarische Genüsse gemacht hat – es schmeckt einfach sensationell und ist dazu auch noch ausgesprochen günstig. In Malaysia dreht sich alles um „Makan“, wie „Essen“ in der Landssprache heißt; es ist eine Obsession, die praktisch ausnahmslos alle Bewohner des Vielvölkerstaates teilen und die für eine äußerst variationsreiche Küche gesorgt hat – für den Schmelztiegel Penang gilt das ganz besonders.

Ein Touristenmagnet ist die Insel aber auch wegen seines reichhaltigen kulturellen Erbes, das sich vor allem in prachtvollen kolonialen Bauten manifestiert. Mit Stolz nennt sich Penang auch heute noch „Perle des Orients“, und seit 2008 darf sich die ehemalige britische Kolonie zudem mit dem Titel „UNESCO-Weltkulturerbe“ schmücken, zusammen mit dem etwa 500 km südlich gelegenen Malakka. Beide Orte seien geprägt vom „multikulturellen Erbe, das seinen Ursprung in den Handelsrouten von Großbritannien und Europa durch den Nahen Osten, den indischen Subkontinent, das malaiische Archipel nach China hat“, heißt es auf der Webseite der UNESCO .

Eine der jüngeren Attraktionen Penangs sind seine unzähligen Murals, wie die meist großflächigen Wandgemälde und -installationen genannt werden. Sie entstanden im Rahmen des George Town Festivals, das einmal jährlich einen ganzen Monat lang Kunst- und Kulturaktionen und -vorführungen anbietet, die von lokalen und internationalen Künstlern und Gruppen dargeboten werden. Vor allem die 2012 entstandenen Gemälde des litauischen Street Artists Ernest Zacharevic haben für einen regelrechten Boom gesorgt, der Penang schlagartig zu einer der angesagtesten Adressen für Street Art weltweit gemacht haben. Auch einheimische Künstler profitieren davon, da Penangs Verwaltung weitsichtig genug ist, sie für ihre imagefördernden Arbeiten zu bezahlen. In der Folge hat sich eine florierende lokale Kunstszene entwickelt.

Das Besondere an vielen Murals ist ihre Interaktivität. Durch den Einbau von plastischen Elementen, etwa Fahrrädern oder Schaukeln, wird dem Betrachter die Gelegenheit gegeben, sich selbst in das Kunstwerk zu integrieren. Unzählige Fotos in den sozialen Netzwerken beweisen, dass das Konzept aufgeht – und tragen mit dazu bei, dass vor allem aus dem benachbarten Ausland immer mehr Touristen und Besucher nach Penang kommen, die sich ebenfalls auf entsprechenden Fotos verewigen wollen.

Längst haben sich auch andere Kulturinstitutionen auf diesen Trend eingestellt: Museen für interaktive 3-D-Kunst sind der letzte Schrei. Besucher haben hier die Gelegenheit, sich vor teils gemalten, teils plastischen Elementen zu postieren und von einem genau definierten Punkt aus fotografieren zu lassen – die so entstandenen Fotos zeigen sie auf fliegenden Teppichen, in der Luft schweben oder auch auf der Flucht vor Ungeheuern. Das 3D Trick Art Museum und das Made In Penang Interactive Museum sind hier zu nennen, oder aber auch das Penang Time Tunnel History Museum, das sich auf historische Motive spezialisiert hat.

Geschichtsinteressierten seien weitere Museen und Gallerien empfohlen: Das „Penang War Museum“ etwa zeigt Relikte aus dem zweiten Weltkrieg. Einen besseren Platz für dieses Museum auf dem Hügel in Batu Maung hätte man kaum finden können, atmet das ehemalige Fort doch ebenfalls Geschichte: 1930 erbaut, diente es zunächst den Briten, während des zweiten Weltkriegs dann den japanischen Besatzern.

Wer noch tiefer in Penangs Geschichte tauchen will, dem sei das „House of Yeap Chor Ee“ empfohlen. Es beherbergt Antiquitäten aus dem 19. Jahrhundert, Peranakan Möbeln und alte Porträts, die einem der reichsten Händler Penangs gehörten.

Und auch die Freunde moderner und zeitgenössischer Kunst kommen in Penang nicht zu kurz. In einem imposanten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, das als Schule für 150 Schüler konzipiert worden war, ist das Penang Art Gallery  untergebracht. Dort findet man Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Drucke, Fotos und vieles mehr, von 1965 bis zur Gegenwart.

Museen, Murals und Makan – drei gute Gründe, Penang einen Besuch abzustatten, aber längst nicht alle. In der kommenden Ausgabe von MALAYSIA INSIGHTS geht es unter anderem um Feiern und Festivals, Moscheen und Tempel sowie Flora und Fauna.

 

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