Mit dem Touri-Bus durch KL

Eigentlich war der Plan, gleich morgens um 9 den ersten Bus der „Hop On Hop Off“-Linie zu nehmen und dann den ganzen Tag Kuala Lumpur zu erkunden. Der Jetlag macht mir einen Strich durch die Rechnung, und so ist es bereits kurz nach 12, als ich endlich an der Haltestelle vor den Petronas Towers aufschlage.

Das Ticket kostet umgerechnet etwa 11 Euro und ist 24 Stunden lang gültig. Recht happig, wenn man sich vor Augen hält, dass es in KL auch kostenlose Busse gibt, mit denen man bequem dieselben Strecken zurücklegen kann, wenn man sich erst mal etwas zurechtgefunden hat. Auch egal. Ticket also gekauft, rein in den Bus, der so ca. alle 30 Minuten abfährt – genaue Zeiten gibt es nicht, da dies sehr vom Verkehrsaufkommen abhängt. Ich habe aber Glück und muss keine 3 Minuten warten.

Das Deck des Doppeldeckerbusses ist vorne offen (es gibt aber auch komplett geschlossene Busse), ich also hinauf und gleich mal die ersten überflüssigen Bilder geschossen. Man will ja nichts verpassen. Es ist zwar ziemlich heiß, aber durch den Fahrtwind trotzdem sehr angenehm, zumal auch die Sonne an diesem Tag meist von Wolken bedeckt ist.

Die ersten paar Stationen liegen alle innerhalb des engeren Stadtkerns. Ein erster Höhepunkt ist der KL Tower, 421 Meter hoch, der einen herrlichen Panoramablick über die ganze Stadt bieten soll. Da ich mir das aber für meinen nächsten Trip aufheben will, bleibe ich also im Bus sitzen und lasse mich weiter chauffieren.

 

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Während man so also durch die Stadt kutschiert und sich von den Lautsprecherdurchsagen erklären lässt, was es um einen herum alles zu erspähen gibt, bekommt man einen tollen Überblick über die wichtigsten Attraktionen. Die gigantischen Petronas Twin Towers, die höchsten Zwillingstürme der Welt, kann man kaum aus dem Auge verlieren, fast immer ragen sie irgendwo im Hintergrund auf. Durch ihre scharfen silberglänzenden Konturen, die die 88 Stockwerke optisch voneinander trennen und sich bei genauerem Hinsehen als Stahlstreben entpuppen, sehen sie aus wie in den Himmel gezeichnet.

Beim Handicraft Center steige ich aus, um zu sehen, was die malaysische Handwerkskunst zu bieten hat. Das Areal besteht aus mehreren größeren und kleineren Gebäuden, die sich jeweils bestimmten Produktgruppen widmen: Keramikvasen in dem einen, ein anderes zeigt Holzschnitzereien, ein drittes Kleidung und Textilien. Hinter den Hauptgebäuden sind kleinere Hütten, in denen Künstler ihre Waren her- und ausstellen und natürlich auch zum Kauf anbieten. Ein kleines Handwerksmuseum ist für ein geringes Eintrittsgeld ebenfalls zu besichtigen.

 

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Nachdem ich mich ausgiebig umgeschaut habe, kommt auch schon der nächste Bus und ich setze meine Sightseeing Tour fort, vorbei an Chinatown und dem 1928 erbauten Central Market, der in den 1980er Jahren zu einem Einkaufszentrum für Handwerk und Kunst umfunktioniert wurde.

„Hey, wann gibt’s denn endlich was zu essen hier?“ höre ich eine vorwurfsvolle Stimme fragen – es ist mein Magen, der mich daran erinnert, dass wir ja heute kein Frühstück hatten und bislang auch kein Mittagessen. Zum Glück hält der Bus nun im sogenannten „Little India“, ein Straßenzug, in dem sich ein indisches Restaurant ans andere reiht – wobei der Begriff „Restaurant“ in diesem Zusammenhang vielleicht falsche Assoziationen weckt: Es sind vielmehr recht einfache Läden, in deren Mitte ein paar Bänke und Plastikstühle stehen, eingerahmt von mehreren kleinen Kochstellen, in denen die Speisen frisch zubereitet werden. Luxus: Fehlanzeige, dafür schmeckt es lecker und ist recht preisgünstig.

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Frisch gestärkt geht es in den nächsten Bus, der auch nicht lange auf sich warten lässt. Schade, dass die Linie nur in eine Richtung fährt. Man hat also nicht die Möglichkeit, noch mal ein oder mehrere Stationen zurück zu fahren.

Die Entfernungen zwischen den einzelnen Stationen werden nun merklich größer,  der Verkehr dichter. Es dauert also etwas, bis wir die nächste Attraktion ansteuern, den 2011 erbauten neuen Nationalpalast „Istana Negara“. Er liegt ziemlich weit außerhalb des Stadtkerns auf einer Anhöhe, von der aus man einmal mehr die Petronas Towers im Ensemble mit den anderen Wolkenkratzern der Skyline bewundern kann. Der Palast selbst wird von Sicherheitskräften bewacht, die sich vor der verschlossenen Toreinfahrt postiert haben. Es gibt keine Möglichkeit, den Palast von innen zu betrachten, Fotos von außen darf man aber machen.

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Nun geht es wieder zurück in die Stadt, vorbei am Bird Park, einem 8,5 Hektar großen Areal, in dem über 3000 Vögel in einem einigermaßen natürlichen Lebensraum beobachtet werden können. So ganz natürlich ist er in Wahrheit aber nicht, da das Gelände mit riesigen Netzen überspannt ist, damit die Vögel nicht weg fliegen können. Und zweitens verläuft in Höhe der Baumkronen ein Fußgängersteg, so dass die Besucher den Tieren möglichst nahe kommen können und sich nicht die Hälse verrenken müssen. Papageien, Ibise, Kakadus oder auch Pfauen sind hier aus nächster Nähe zu bewundern.

Die nächsten Stationen bieten einen Blick auf Monumente, Museen und Moscheen, die rasch aufeinander folgen, da wir uns nun wieder im Zentrum der Stadt bewegen. Allerdings ist es mittlerweile spätnachmittags und der Bus kommt in der Rush Hour kaum noch voran. Es rächt sich nun, dass ich es nicht früher geschafft habe, die Tour zu starten, denn es liegen noch einige Sehenswürdigkeiten vor mir. Besser gesagt, sie lägen, denn nach einer halben Stunde stop and go im immer dichter werdenden Verkehr habe ich genug und nehme die nächste Monorail zurück zum Hotel.

Mein Tipp:  Wirklich möglichst früh die Tour beginnen und vielleicht auch schon im Vorfeld festlegen, welche der insgesamt 42 Attraktionen man sehen möchte – 5 bis 10 dürften maximal an einem Tag zu schaffen sein. Wer mehr Zeit und Muße hat, sollte vielleicht sogar nur drei oder vier Stopps einplanen und die Fahrt als solche genießen. Die Hop-on Hop-off Tour ist vor allem für Touristen geeignet, die nicht lange in KL bleiben. Wer sich schon ein bisschen auskennt und auf ein offenes Deck verzichten kann, kann die Strecken aber genauso gut mit den teilweise kostenlosen öffentlichen Buslinien zurücklegen.

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