Eva Klesse in Malaysia

Eva Klesse in Penang 2017

von Uwe Fischer |

Das Eva Klesse Quartett aus Deutschland war Anfang Dezember 2017 für zwei Konzerte in Malaysia. Die beiden Auftritte beim Penang Island Jazz Festival (PIJF) und in der Hauptstadt Kuala Lumpur wurden vom Goethe-Institut Malaysia arrangiert. Wir fragten die Bandleaderin nach ihren Eindrücken. 

Eva, bei eurem Auftritt in Penang hast du erwähnt, dass ihr über 24 Stunden von Deutschland aus unterwegs wart. Normalerweise braucht man 13 bis 15 Stunden mit Zwischenstopp. Woran lag es?

Na, wir haben von Tür zu Tür gerechnet, sind morgens um 6 Uhr in Frankfurt los, zu Fuß zur Bahn, mit der Bahn zum Flughafen, 2 1/2 Stunden vorher da, Flug nach Dubai, Aufenthalt, Flug nach Kuala Lumpur, Aufenthalt, Flug nach Penang, Auto zum Auftrittsort und waren so am nächsten Tag um 15 Uhr Ortszeit da… Dann ging’s sofort zum Soundcheck 🙂 Da kommen die 24 Stunden schon locker zusammen!

Wie war euer erster Eindruck von Malaysia?

Wir haben eine tolle Woche hier verbracht! Und waren sehr begeistert von der Freundlichkeit der Leute, den Eindrücken, die wir in Penang und KL sammeln konnten: Shophouses neben Tempeln neben Moscheen neben Kirchen, wunderbares Essen…und auch entzückt von einigen Kuriositäten, wie die wilde Weihnachtsdeko-Mischung und „Winter Wonderland“ und Co. aus allen Lautsprechern bei 32 ° Celsius 🙂

Das Penang Island Jazz Festival ist eine Institution in Malaysia und auch über die Landesgrenzen hinaus ein Begriff. Wie waren deine Erwartungen an das Festival, was Organisation, Professionalität und Künstlerbetreuung anbelangt, und wurden sie erfüllt?

Andere Kollegen, die schon Gast bei dem Festival waren, hatten uns schon positiv vom Festival berichtet und so sind wir voller Vorfreude nach Penang gefahren und wurden auch nicht enttäuscht. Ein tolles Team, ein toller Ort und spitzenmäßige Betreuung sowohl durch das Festivalteam als auch und vor allem durch das Team des Goethe-Instituts Malaysia, die unsere Reise erst ermöglicht haben.

Das PIJF hat viele internationale institutionelle Partner und Unterstützer, darunter auch das Goethe-Institut, das schon seit vielen Jahren deutsche Jazzbands vermittelt. Wie kam der Kontakt zum Goethe-Institut zustande?

Der Kontakt kam zustande, indem wir nach unserem Konzert bei der jazzahead in Bremen im April vom Goethe-Institut angeschrieben und zum Festival eingeladen wurden. Die Auswahl des deutschen Beitrags läuft wohl immer in Koordination zwischen dem Goethe-Institut und der Festivalleitung; Paul Augustin, der Leiter des PIJF, hatte uns bei der Jazzahead live gehört. Vor Ort wurden wir ganz wunderbar betreut, wir haben uns zu jeder Zeit sehr wohl gefühlt, wurden herumgeführt und haben dadurch tolle Orte gesehen und Insidertipps bekommen, die man so als „normaler Touri“ sicher so schnell nicht herausfindet.

Malaysia war viele Jahrzehnte lang ein außerordentlich boomendes Land, aber in den letzten Jahren ist die Wirtschaft ins Schlingern geraten, die Malaysier müssen den Gürtel enger schnallen. Leider schlug sich das dieses Jahr sichtlich auch auf die Besucherzahlen nieder. Das ist für die Künstler sicherlich eine enttäuschende Erfahrung. Wie geht ihr mit so einer Situation um?

Ich weiß gar nicht, ob die Zuschauerzahlen unbedingt nur mit der wirtschaftlichen Lage des Landes zu tun haben. Andere Leute berichteten mir von anderen Gründen, u.a. eben, dass zur Festivalzeit immer gerade Regenzeit ist und so immer mal wieder – wie dieses Jahr  – Konzerte buchstäblich ins Wasser fallen. Und: beim Jazz ist man es ja gewohnt, dass man immer mal vor unterschiedlichen Publikumsgrößen spielt und wir können auch einen kleineren Publikumskreis sehr schätzen. Wir haben sehr viel positives Feedback bekommen, haben die Atmosphäre in Penang auf der Bühne direkt am Strand als sehr besonders empfunden und z.B. unser Konzert in Kuala Lumpur in der Universität war sehr gut besucht.

Musikalisch war das Angebot auch dieses Jahr wieder breit gefächert. Welche Acts haben dich am meisten beeindruckt?

Es war toll, viele Kollegen mit in der Tat sehr verschiedenen musikalischen Ausrichtungen nach unserem Konzert dann auch direkt live zu erleben. Einen besonderen Charme hatte für uns das Konzert der österreichischen Band „Holler my dear“, das aufgrund des Regens dann ja sehr kurzfristig „umgetopft“ werden musste und auf einmal statt großer Festivalbühne zum kleinen Club-Konzert wurde. Alle sind mit umgezogen und es musste sowohl von der technischen Crew als auch von der Band selber auf einmal wirklich sehr viel improvisiert werden – that’s jazz! 🙂

Was mir an euer Musik besonders gefiel, ist, dass die Kompositionen sehr melodiös und lyrisch sind. Die Ästhetik erinnert mich an den ECM-Sound der 70er und 80er Jahre. Liege ich da richtig, oder wie würdest du eure Musik einordnen?

Ich finde es immer schwierig, selber unsere Musik zu beschreiben oder einzuordnen, das überlasse ich lieber dem Publikum! 🙂

Nach dem Konzert in Penang hattet ihr noch ein zweites Konzert in KL. Wie ist das gelaufen?

Das 2. Konzert fand in der Universität in KL statt, als Doppelkonzert mit einer malaysischen Band. Es war, wie schon gesagt, sehr gut besucht und erfreulicherweise auch von vielen junge Leuten, mit denen wir u.a. nach dem Konzert auch ins Gespräch kamen. Es war ein toller Abend und es war uns eine große Freude, neben dem Workshop beim Festival auch noch ein 2. Konzert in Malaysia zu spielen.

Links:
Bericht über das PIJF 2017
Photo-Album PIJF 2017
Eva Klesse

 

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