Auszeit auf Pulau Tinggi

Pulau Tinggi, Johor, Malaysia
Pulau Tinggi, Johor, Malaysia

von Uwe Fischer

Auszeit auf der Insel Pulau Tinggi: Sanft rauscht das Meer, der Sandstrand ist menschenleer, ich aber plantsche im Pool. Aus den Lautsprechern kreischt mir, wenn auch in dezenter Lautstärke, Klaus Meine sein „Still Loving You“ entgegen. Die Gruppe Nazareth stößt ins gleiche Horn, hadert mit der Liebe – „Love Hurts“ – aber nicht nur die Liebe tut weh, auch die Akustiktapete am Pool ist nicht ganz schmerzfrei zu ertragen.

Resort manager Nizam (l) and chef Alex (r) with MI Editor Uwe
Resort manager Nizam (l) and Chef Alex (r) with MI Editor Uwe

Abgesehen vom Kuschelrock ist es hier aber wirklich paradiesisch. Die kleine Insel ist selbst Einheimischen kaum bekannt, und Ausländer, gar Europäer, verirren sich nur selten hierher. 88 Zimmer hat das Tad Marine Resort, das einzige Hotel der Insel, aber außer mir sind gerade mal 10 Gäste hier. Das allerdings liegt auch daran, dass gerade der Fastenmonat Ramadan begonnen hat. Nach dessen Ablauf feiert man hierzulande Hari Raya Aidilfitri, das malaysische Pendant zum Zuckerfest, und dann, so verrät mir Resortmanager Nizam Bin Ibrahim, werden sämtliche Chalets und Villen komplett ausgebucht sein.

Pulau Tinggi ist nicht unbedingt geeignet für Gäste, die am Urlaubsort am liebsten alles so vorfinden wie zu Hause. Wer jedoch die Ruhe liebt, wem ein einfaches sauberes Zimmer mit Kühlschrank, Klimaanlage und TV, aber ohne Safe und Internet genügt, wer am Pool auch mal mit einer harten Holzliege ohne Auflage vorlieb nehmen kann, für den ist das Tad Marine Resort empfehlenswert. Auf der Habenseite stehen nämlich ein traumhafter weißer Sandstrand, glasklares Wasser, Korallenriffe, ein versteckter Dschungelpfad, der zu einem Wasserfall führt und, last but not least, eine absolut traumhafte Küche. Allerdings – noch so ein Haken – sollte man keine Probleme damit haben, seine Speisen nicht selbst auswählen zu können. Zumindest dann nicht, wenn nur wenige Gäste anwesend sind. Dann verzichtet man hier kurzerhand auf Speisekarte und Buffet und überlässt es Küchenchef Alex Boh, was auf den Tisch kommt. Wer sich darauf einlässt, wird mit absolut leckeren 5-gängigen Menüs belohnt.

2 Nächte bleibe ich hier, und an meinem zweiten Tag sind Aktivitäten angesagt. Am Vormittag geht es mit dem Motorboot erst mal zum Schnorcheln. Ziel ist eine klitzekleine Insel, nur ein paar Minuten von Pulau Tinggi entfernt. Dort gibt es ein Korallenriff und viele Fische, die sich gerne vom mitgebrachten Toastbrot anlocken lassen. Auch für Taucher soll es hier sehenswerte Areale geben, so beteuert man mir, und wenn man Johors komplette Inselwelt mit einbezieht, dann dürfte hier sicherlich so schnell keine Langeweile aufkommen.

Am Nachmittag steht Jungle Trecking auf dem Programm. Der Schatten spendende Dschungel ist jetzt genau das Richtige, denke ich mir, allerdings bin ich dann doch nur am Schwitzen, den der Pfad geht munter rauf und runter. Zum Glück ist er mit Seilen entlang der Strecke ausgestattet, so dass man zu jeder Zeit Halt bekommt. Der Treckingleiter wartet geduldig auf die ungeübten Touristen, viele von ihnen in Flip-Flops, und bietet sich sogar an, die mitgebrachten Kinder auf besonders steilen Abschnitten auf dem Rücken zu tragen. Ziel ist ein netter Wasserfall inmitten des Dschungels, der sich in einen kleinen Naturpool ergießt. Das kühle Wasser lädt zum Plantschen und ein paar Schwimmzüge ein, und natürlich dürfen auch die obligatorischen Fotos nicht fehlen.

Nach der knapp einstündigen Tour bin ich dann wieder reif für den Pool, wo mich einmal mehr Klaus Meine erwartet. Diesmal allerdings schmachtet er „Winds of Change“,  und ich wünschte mir, man würde ihn tatsächlich wörtlich nehmen, denn ein paar Änderungen würden der paradiesischen Soundtrack sicherlich nicht schaden.

Pulau Tinggi erreicht man mit einem Motorboot von der Küstenstadt Mersing aus, die Überfahrt dauert etwa 40 Minuten. Es gibt aber auch noch einen zweiten näher gelegenen Jetty, der vom Tad Marine Resort errichtet wurde, aber ziemlich weit außerhalb liegt und nur mit dem Auto erreichbar ist. Die Überfahrt von hier dauert etwa 15 bis 20 Minuten.

Fotogalerie: Facebook

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