Angelika Niescier in Penang

Im Auftrag des Goethe-Instituts: Angelika Nisciers NOW Trio beim Jazzfestival in Penang, Dezember 2015

Das Penang Island Jazz Festival PIJF in Malaysia ist eines der renommiertesten Jazzfestivals in Asien. Auf dem jährlich stattfindenden Event treten namhafte Künstler aus aller Welt auf. Auch deutsche Künstler sind regelmäßig mit von der Partie. Im Dezember 2015 war es das in Köln ansässige Angelika Niescier NOW Trio. MALAYSIA INSIGHTS sprach mit der Saxophonistin und Bandleaderin nach ihrem Auftritt.

Wenn man auf deine Homepage geht und schaut, wo du schon überall aufgetreten bist, stellt man fest, dass du sehr häufig im Ausland gastierst…
Ja, ich habe das Glück, durch und mit  meiner Musik wahnsinnig viel reisen zu können: grundsätzlich erweitert Reisen den Horizont, wenn man in ein fremdes Land kommt, andere Menschen kennenlernt, sich auf neue Situationen einstellen muss.

Hast du eine bestimmte Erwartungshaltung an das Publikum, wenn du auf die Bühne gehst, vor dem Hintergrund, dass deine komplexte Musik in den den meisten Fällen dem Großteil der Zuhörer gar nicht bekannt ist?

Meiner Erfahrung nach hängt es nicht von der Komplexität oder Abstraktheit der Musik ab, wie diese angenommen wird, sondern von der Ehrlichkeit und Intensität, mit der sie dargeboten wird, und da wir uns immer absolut reinwerfen, ist das das Entscheidende. Natürlich ist das von Land zu Land verschieden, ob die Leute auf den Stühlen stehen oder nur mit einem „yeah“ reagieren, aber das sind eigentlich nur Äußerlichkeiten. Wenn man auf der Bühne steht und mit dem Publikum durch die Musik kommuniziert, ist es jedesmal vollkommen anders, aber jedesmal absolut fantastisch.

Macht es für dich einen Unterschied, ob du vor einem großen oder kleinen Publikum spielst?

Nicht wirklich, jedenfalls es ist ein viel kleinerer Unterschied, als man denkt. Der Unterschied für mich ist nur, wie professionell der Sound auf der Bühne ist. Hier auf dem Penang Jazz Festival war der Bühnensound einfach fantastisch. Wenn sich das so komfortabel auf der Bühne anfühlt wie hier in Penang, dann ist es einfach Musik. Ansonsten muss ich sagen, dass ich ganz gerne zum Beispiel in Theatern spiele, weil wir da ohne grosse Verstärkung spielen können.

Auch vor der Bühne war der Sound hervorragend, das kann ich bestätigen. Man merkt, dass die Organisatoren ihr Handwerk verstehen…

Ja, die sind alle super professionell, total  freundlich sowieso, und alle Fragen konnten im Vorfeld schon geklärt werden, alle logistischen Dinge wie Proben etc haben reibungslos funktioniert. Grundsätzlich war die Kommunikation mit der Crew hier vor Ort unglaublich gut. Dass mal Dinge nicht funktionieren, gibt es immer, und zwar überall auf der Welt, auch in Deutschland; aber hier gab es überhaupt kein Problem.

Du bist ja mit deinem Trio direkt nach dem Penang Philharmonic Orchestra auf die Bühne gegangen, und das war in vielerlei Hinsicht das totale Kontrastprogramm…
Ja, das habe ich auch so empfunden – eine programmatische Herausforderung, die wir angenommen und – wie ich finde – sehr gut gemeistert haben…

Um mal einen Unterschied herauszugreifen: Deine Kompositionen folgen nicht den traditionellen Songstrukturen und Formen, wie man sie von den Standards kennt, was es mitunter für den Zuhörer schwer macht, zu erkennen, welcher Anteil komponiert und was Improvisation ist….
Ja, ich bin auch daran interessiert, Komposition und Improvisation genau so zu verbinden, dass solche Fragen letztlich auftauchen, was denn nun komponiert und was improvisiert ist. Grundsätzlich ist es aber schon so, dass es Ausgeschriebenes für drei Instrumente sind. Aber je länger man zusammenspielt, desto mehr kann man mit dem Material arbeiten. Es kann also vorkommen, dass das geschriebene Material in einem bestimmten Kontext immanent ist, aber nicht unbedingt gespielt wird. Hinzu kommt, dass die Musiker ja auch ihren eigenen Sound, ihre eigene musikalische Persönlichkeit einbringen können, und darum geht es ja letztendlich im Jazz.

Euer Auftritt hier in Penang wurde ja vom Goethe-Institut gefördert, wie ist es denn dazu gekommen?
Das Goethe-Institut arbeitet mit einem Pool von Künstlern zusammen, aus dem es dann den jeweiligen Act für einen bestimmten Zweck aussucht. In diesem Fall war es so, dass ich als Bandleaderin dem Goethe-Institut verschiedene Projekte vorgeschlagen habe, und es die Entscheidung des Festivals war, dass sie genau dieses Trio haben wollten. Das Gute an der Arbeit mit dem Goethe-Institut ist, dass sie versuchen, einen Zusammenhang zu schaffen: Zum einen ist es immer Teil des Konzepts, dass ich im Ausland auch einen Workshop gebe, damit die Leute mehr über Musik erfahren können. Zum anderen wurde ich auch noch für ein zweites Konzert in Kuala Lumpur verpflichtet. Ich wäre zwar auch nur für ein Konzert nach Malaysia gekommen, weil es ein tolles Festival ist, aber so ist es natürlich angenehmer, wenn man etwas länger in dem Land bleiben kann, und mehr mit den Leuten arbeiten kann.

Unabhängig von dem musikalischen Kontext, wie gefällt dir denn Malaysia?
Top! Die Menschen sind sehr freundlich, das Essen ist fantastisch, für mich als Vegetarierin ist das ein Traumland. Ich bin insgesamt nicht lange hier, habe aber zumindest in Penang den Eindruck, dass es hier eine friedliche Koexistenz verschiedener Einflüsse gibt. Man spürt eine Art von Respekt voreinander, den wir gerade jetzt in dieser Zeit sehr dringend brauchen, und ich finde es sehr schön, dass es hier einfach gelebt wird.

Weitere Fotos des Auftritts findet man auf Facebook

 

 

 

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