Abschied von KL

Alexander Stedtfeld

Über 7 Jahre lang war Alexander Stedtfeld Geschäftsführer der Malaysian-German Chamber of Commerce and Industry (MGCC) in Kuala Lumpur. Am 1. August 2015 hat Stedtfeld eine neue Aufgabe im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin übernommen. Sein Nachfolger in Malaysia ist Herr Daniel Bernbeck, bis vor kurzem Geschäftsführer der AHK Iran. MALAYSIA INSIGHTS hatte die Gelegenheit, mit Alexander Stedtfeld kurz vor seiner Abreise zu sprechen.

Herr Stedtfeld, wenn Sie zurückschauen auf Ihre Amtszeit in Malaysia seit 2008, wie fällt Ihre Bilanz aus?

Es war eine spannende Zeit und wir waren in der Lage, einiges in der Kammer zu bewegen. Mit dem Ausbau unseres Dienstleistungsangebots haben wir auf das zunehmende Interesse bei deutschen Firmen an dem südostasiatischen Markt reagiert. Wir sind heute in der Lage, die Unternehmen auf der ganzen Zeitschiene eines Engagements in Malaysia mit unserem kenntnisreichen und motivierten Team zu betreuen. Dabei haben wir einen besonderen Blick auf die Anforderungen des Mittelstandes.

Daneben haben wir uns in den vergangenen Jahren in einigen strategischen Bereichen etabliert. Dazu gehören Corporate Social Responsibility (CSR), Umwelttechnologien, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowie berufliche Bildung. Ein Höhepunkt ist hier sicherlich der Aufbau einer dualen Berufsausbildung für Industrie- und Logistikkaufleute, die im Juni 2015 in ihr zweites Jahr gegangen ist, und – in diesem Jahr – Mechatroniker. Damit bringen wir deutsche Standards nach Malaysia.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Entwicklungen, die in Malaysia während Ihrer Amtszeit stattgefunden haben?

Die Stärke Malaysias liegt in der Konsistenz, wirtschaftlich sowie politisch. Das Land besticht durch ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum. Auch in den Krisenjahren hat sich Malaysias Wirtschaft recht robust gezeigt und deutlich weniger Einbußen hinnehmen müssen als viele Länder in der Region.

Politisch konnten wir eine höhere Hinwendung der Regierung zu den Interessen einer diversifizierten Zivilgesellschaft beobachten. Sicherlich kann das Land im Hinblick auf Transparenz und Integrität aufholen, doch mit den von der Regierung angestoßenen Transformationsprogrammen in Politik und Wirtschaft ist ein guter Weg eingeschlagen worden.

In diesem Jahr hat Malaysia den ASEAN-Vorsitz inne. Wie bewerten Sie das erste halbe Jahr? Was wurde erreicht, was steht noch an?

Die in diesem Jahr in Kraft tretende ASEAN Economic Community (AEC) ist ein Prozess, bei dem während einer Präsidentschaft keine großen Sprünge zu erwarten sind. Die malaysische Regierung sieht während ihrer Präsidentschaft ihre Aufgabe vor allem darin, die AEC insbesondere für die Zivilgesellschaft und kleine und mittelständische Firmen transparenter zu machen und für deren Vorteile zu werben.

Im Hinblick auf die Freiheit des Güterverkehrs ist ASEAN auf dem besten Weg zu einem Binnenmarkt. Für die Harmonisierung von Standards, Normen und administrativen Verfahren, die gegenseitige Anerkennung von Registrierungen und Lizenzen oder die freie Arbeitsplatzwahl zumindest für Facharbeiter und Hochschulabsolventen bedarf es dagegen noch erheblicher Anstrengungen.

Welche Vorteile hat Malaysia für deutsche Investoren im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern?

Die Stärke Malaysias liegt vor allem in einem ausgewogenen Paket. Andere Staaten in der Region mögen hier und dort Vorteile haben, doch am Ende entscheidet in der Regel eine Gesamtbewertung. Und dort hat Malaysia häufig die Nase vorne.

Zu den guten Standortfaktoren zählen die ausgesprochen wirtschaftsfreundliche Politik, attraktive Investitionsanreize, eine effiziente Wirtschaftsverwaltung, erhebliche staatliche Investitionen in die Entwicklung qualifizierter Arbeitskräfte und ein solides Schutzniveau geistigen Eigentums. Was Malaysia zusätzlich attraktiv macht, ist die recht weit entwickelte lokale Industrie. Viele deutsche Unternehmen arbeiten erfolgreich mit malaysischen Partnerfirmen zusammen, die in Bezug auf Qualität, Liefertreue und Service den hohen Erwartungen unserer Firmen gerecht werden.

Wie viele deutsche Unternehmen sind denn in Malaysia aktiv?

Rund 400 deutsche Firmen sind in Malaysia präsent. Dazu gehören die meisten der DAX 30-Unternehmen. Viele Firmen sind bereits sehr lange hier. So wird Behn Meyer im nächsten Jahr sein 125-jähriges Jubiläum in Malaysia feiern. Andere können auf viele Jahrzehnte eines erfolgreichen Engagements hier zurückblicken.

Was uns besonders in der Überzeugung der nachhaltigen Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Malaysia bestärkt, ist die große Zahl mittelständischer Unternehmen, die sich erfolgreich etabliert haben, und der kontinuierliche Ausbau des Engagement größerer Firmen.

Dabei beobachten wir in den vergangenen Jahren, dass der Blick nach Malaysia immer wenig auf einen kostengünstigen Produktionsstandort geht, vielmehr die Überlegungen stärker auf das Erschließen des dynamischen südostasiatischen Marktes gerichtet sind und Firmen dabei häufig auch eigene Innovations- und Ausbildungskapazitäten aufbauen. Dies sind für uns klare Indikatoren für die Langfristigkeit und strategische Ausrichtung des Engagements.